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Ratibor Wappen
Ratibor gehört zu den ältesten Städten Oberschlesiens. Im Jahre 1108, also vor rund 898 Jahren, berichtete Gallus
Anonimus über kriegerische Auseinandersetzungen Königs Boleslaus Schiefmunds mit den Mähren im Kampf um
Ratibor. Es ist zugleich die erste schriftliche Eintragung über die Stadt an der Oder. Ihre in Büchern, Dokumenten oder in den leider schon seltenen Baudenkmälern festgehaltene Geschichte bildet eine umfangreiche Quelle zur Erforschung vergangener Zeiten.
Viele Faktoren beeinflußten die Entwicklung der Stadt. Am stärksten wirkte sich jedoch ihre Lage an der Oder und in der Grenzregion aus. In vielen Jahrhunderten trafen hier nämlich deutsche, böhmische und polnische Elemente aufeinander, beeinflußten gegenseitig und bildeten eine Antriebskraft der dynamischen Entwicklung, die selbst von Bränden und anderen Heimsuchungen nicht aufgehalten werden konnte. Die Oder hingegen trug zum Reichtum der Stadt bei, da sich hier in ihrem Lauf der erste Hafen befand. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Fluß in Ratibor schiffbar. Heute sucht man in der Stadt vergeblich nach Hafenanlagen und die im Jahre 1942 durch den Entlastungskanal „entwässerte" Oder erinnert kaum an einen Wasserweg, auf dem vor dem Krieg Ausflugsdampfer verkehrten und Jahrhundertelang große Mengen von Kupfer aus Nitra nach Hamburg oder ungarischen Weinen über Stettin nach St. Petersburg transportiert wurden.
Die Stadt war auch ein wichtiges Zentrum für den Handel mit Korn und im 19. Jh. gab es Tage, an denen am Kai des Ratiborer Hafens bis zu einhundert Kähne vor Anker lagen. Deswegen verwundert es nicht, daß die Oderschiffahrt bzw. die architektonisch interesanten Brücken ein auf Postkarten gern festgehaltenes Motiv bildeten.
Die Schiffe und Kähne gibt es heute nicht mehr, die nach 1945 rekonstruierte Schloßbrücke wurde in letzter Zeit umgebaut und verlor ihren ursprünglichen Charakter. Unverändert blieb dagegen bis heute die Hochwassergefahr, wovon sich Ratibors Einwohner schmerzlich im Sommer 1997 überzeugen mußten.
Im Laufe von Jahrhunderten wechselte die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt. Im 12. Jh. wurde Ratibor zur Hauptstadt eines Herzogtums. Der Ratiborer Herzog Mieszko I. ließ hier seit 1163 die ersten Münzen prägen, um 1200 wurden sie mit der Inschrift MILOST versehen.
Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß schon Jahrzehnte vor dem Entstehen des Heinrichaues Buches in dem Kloster der Dominikaner in Ratibor eine Chronik geschrieben wurde mit dem ersten, polnisch klingenden Satz „gorze szq nam stało", der die Worte Herzog Heinrichs 11. angesichts der Niederlage bei Liegnitz im Jahre 1241 wiedergeben soll.
Die Jahrhunderwende markiert eine weitere dynamische Entwicklung Ratibors, das 1903 eine kreisfreie Stadt wurde. Die Stadt zählte 32.500 Einwohner, deren Zahl im Jahr 1939 auf 49.724 gestiegen ist. Sie besaß eine dichte und geschlossene Bebauung im Jugendstil mit mittelalterlicher Anordnung, deren Zentrum der Ring mit der barocken Mariensäule, einem Werk Johannes Melchiors Österreichs aus dem Jahr 1727, bildete. Eine der Figuren zeigt den Hl. Marcellus, den Schutzheiligen der Stadt mit seinem charakteristischen Stab.
Wenn man aus der Zahl der Sakralbauten Schlüsse über die Frömmigkeit der Stadtbürger ziehen darf, dann darf man sagen, daß die Einwohner Ratibors sehr gläubig waren und mehrere stattliche Kirchen und eine große Synagoge errichtet hatten. Ihre Rest standen seit der „Reichskristallnacht" im Jahre 1938 bis in die sechziger Jahre in der ul. Szewska.
Fast alle Kirchen blieben glücklicherweise in ihrrer ursprünglichen Form erhalten. Sie stammen aus verschieden architektonischen Epochen. Den gotischen Stil sehen wir an der Hl.Geist-Kirche (heute Museum), die Herz Jesu Kirche mit ihrem zentral gelegenen Altar erinnert dagegen an das römische Pantheon.
Ratibor wurde in seiner jahrhundertelangen Geschichte von mehreren Katastrophen, Epidemien und underen Schicksalsschlägen heimgesucht. Am tragischsten war jedoch der Zweite Weltkrieg. Rund 85% der Gebäude lagen in Trümmern, deren Kapazität auf 4.680.000 m3 geschätzt wurde. Am Ring wurden nahezu alle Bürgerhäuser und das an der östlichen Seite gelegene Rathaus zerstört. Die noch verwertbaren Reste haben die Sieger geplündert. Zahlreiche sakrale Kunstwerke, darunter die berühmte Ratiborer Monstranz, gingen verloren. Ganze Straßenzüge wurden in Trümmerschluchten mit ausgebrannten Häuserfassaden verwandelt, systematisch abgerissen dienten sie als Reservoir von Ziegelsteinen, die zum Wiederaufbau Warschaus verwendet wurden. Von der evangelischen Kirche mit ihren zwei 60 m hohen Türmen ist keine Spur übrig geblieben.
Anhand der jetzigen Bebauung läßt sich das Bild der Stadt aus der Vorkriegszeit nicht mehr rekonstuieren. Um so wertvoller ist die Initiative, ein Album mit alten Ansichtskarten herauszugeben, die aus Liebe zur Heimatstadt in privaten Sammlungen erhalten blieben und heute eine Quelle von Informationen über das Werk zahlreicher Generationen von Architekten und Baumeistern darstellen. Dieses Album stellt die auf Postkarten festgehaltene Geschichte Ratibors dar, einer Stadt, die einen Besuch verdient. Es ist auch ein schönes Andenken für jene, die diese Stadt Vor Jahren verlassen hatten und heute immer wieder als gern gesehene Gäste zurückkehren.

 

Chronologisch:

Ratibor heute Ratibor heute

Ratibor auf alten Bildern

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Ratibor heute
Bernhard Lazar
Bernhard Lazar